Schulseelsorge

Schulseelsorge und Schulprofil

„Im Zentrum des schulischen Lebens steht der Mensch.“ In dieser Aussage des Leitbilds unserer Schule wird deutlich, dass Schule mehr ist als (Fach-) Unterricht und dessen Ergebnisse. Auch wenn regelmäßige empirisch-quantifizierende Untersuchungen wie PISA und Co oftmals das Gefühl vermitteln, als könne man schulisches Leben bis in den letzten Winkel vermessen. Die „seelische“ Komponente trägt jedoch sehr stark zu gutem Unterricht und entsprechenden Arbeitsergebnissen bei. Das ist auch, was das Leitbild des Martin-Butzer-Gymnasiums widerspiegelt, wenn es heißt, dass unsere Schule „eine Atmosphäre der Menschenfreundlichkeit und Menschlichkeit schaffen (will), in der sich jede und jeder geborgen und wohl fühlen und sich in ihren und seinen Fähigkeiten entwickeln kann“.

Was ist Schulseelsorge?

Das, was wir mit Seele übersetzen, bedeutet ursprünglich im Hebräischen (nefesch) belebender Atem, Lebenskraft, Selbst, Herz, Person, Psyche oder Daseinsmitte und bezeichnet insbesondere die vitalen Kräfte einer Person.
Nach dem evangelischen Theologen Eberhard Jüngel „ist der Mensch Seele, insofern er sich zu sich selbst und anderen verhält (Selbstverhältnis)“.
In diesem Sinne versteht sich Schulseelsorge als eine Art Lebenshilfe, die u.a. durch Begleitungs- und Beratungsgespräche zur Gestaltung von Schule als Lebensraum beitragen will. So werden in einem schulseelsorgerlichen Gespräch keine expliziten religiösen Aspekte aufgegriffen. Vielmehr will Schulseelsorge einem christlichen Menschenbild heraus anderen
Menschen helfen. Entsprechend handelt es sich hierbei nicht um manipulative, sondern kommunikative Beratung.

„Die Seelsorge wendet sich dem Einzelnen zu, um ihn zu stärken, künftig eigenständiger und verantwortlicher (…) handeln zu können. Die Menschen stärken, damit sie Sachen und Beziehungen klären – das ist die Aufgabe des Seelsorgegesprächs in der Schule.“

Michael Meyer-Blanck, Schulseelsorge – Ein Handbuch, Göttingen 2008, 87f.

Schulseelsorge steht damit in pädagogischer Perspektive auch für eine bestimmte Dimension des Bildungsgedankens, nämlich der individuellen Persönlichkeitsbildung bzw. Bildung zur Mündigkeit.

Was ist ein Schulseelsorgegespräch?

Bei einem solchen Gespräch handelt es sich um eine systemisch orientierte Gesprächsform, die zukunfts- und lösungsorientiert arbeitet. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Mensch Selbstheilungskräfte (= eigene Lösungen für seine Probleme) besitzt, die innerhalb des Gesprächs entbunden werden können. Im günstigsten Fall kann die ratsuchende Person am Ende des Gesprächs einen ersten Schritt in eine neue Richtung gehen, bei der sie sich frei fühlt, (wieder) eigenverantwortlich in ihrem Leben zu handeln. Es kommt darauf an, die Selbstorganisation eines Menschen so zu aktivieren, dass ihm ein eigenständiges Handeln möglich wird.
Systemisch orientierte Gesprächsformen gehen davon aus, dass der einzelne Mensch immer in Beziehungssysteme und soziale Systeme eingebunden ist. Gleichzeitig repräsentiert der Einzelne ebenfalls ein System von psychischen Kräften und Strukturen, mit deren Hilfe er an der Konstruktion der jeweils eigenen Wirklichkeit beteiligt ist. Es geht nun darum zu erkennen, welche Prämissen diesem System und dieser konstruierten Wirklichkeit zugrunde liegen und welche Möglichkeiten es gibt, sie kritisch zu hinterfragen und zu verändern.
Das Ziel des Gesprächs ist die gemeinsame, neu erzeugte Wirklichkeit die von den Gesprächspartnern geschaffen wird: Wenn unsere Verhaltensmuster eine in der Interaktion erzeugte Wirklichkeit sind, dann können wir sie auch so verändern bzw. konstruieren, dass eine Wirklichkeit entsteht, in der die zu beratende Person aus eigener Kraft zum Handeln bereit ist und selbst den ersten Schritt zur Problemlösung gehen kann.

Wann wird Schulseelsorge angeboten?

Prinzipiell findet Schulseelsorge immer statt, d.h. dass ich jederzeit z.B. von Schüler*innen ansprechbar bin. Die dabei zur Verfügung stehende Zeit ist im System Schule strukturbedingt beschränkt auf die kurzen Momente des Stundenwechsels und die Pause. Um bei solchen Gesprächen auch den notwendigen zeitlichen Rahmen zu gewährleisten, biete ich einmal wöchentlich ein Schulseelsorgeangebot am Martin-Butzer-Gymnasium in Form einer ein- bis zweistündigen „Sprechstunde“ an.

Matthias Fischer
Schulseelsorger & Systemischer Berater (DGSF)